Landungsbrücke für Engel

Raynal, Patrick

  

Man hätte meinen können, ein mit «Angel Dust» gedopter Grizzlybär wäre auf meine zwei Zimmer, Küche und mein Büro, losgelassen worden. Die Eingangstür aus den Angeln gehoben, das Messingschild – CORBUCCI. ERMITTLUNGEN UND BESCHATTUNGEN –, heruntergerissen und zweimal gefaltet wie gewöhnliches Weißblech, lag auf der Fußmatte, und das Übrige, alles Übrige, war buchstäblich pulverisiert. Kleinholz, Lumpen und Konfetti war alles, was von meinen Möbeln, meinen Klamotten und meinen Büchern übrig war. Sie hatten meine Platten zertrampelt, meine Stereoanlage zerschmettert, meine Plakate zerrissen, meine Bilder zerfetzt, meine Latschen in Stücke zerschnitten, meine Kochtöpfe demoliert und mein Geschirr zerschlagen. Sie hatten sogar meine düstere Tapete bearbeitet, der ich schon immer einen weißen Anstrich verpassen wollte. Insgesamt aber ein mehr eindrucksvoller als wirklich effizienter Job, da der Wert meines dürftigen Besitzes schon vor ihrem Auftritt praktisch gleich Null war.
Nur ein schäbiger Resopalhocker und das Telefon darauf, ein altes Standardmodell der Post, waren dem Massaker entgangen. Ich habe mich auf den einen gesetzt, und das andere begann augenblicklich zu klingeln. Ich habe es eine ganze Weile angeschaut, bevor ich schließlich abgenommen habe.
«Corbucci?», fragte eine Männerstimme.
«Am Apparat.»
«Rühr dich nicht von deinem Hocker, Genosse», sagte die Stimme mit einem unangenehmen, kurzen Lachen. «Wir schicken dir die Müllabfuhr vorbei.»
Ich bin zur Tür gestürzt, aber das war ein bisschen spät. Als ich den Treppenabsatz erreichte, versperrten die beiden Typen bereits die Treppe. Sie waren gebaut wie Wehrtürme und jeder schleppte einen Ochsenziemer mit sich herum.
«Du scheinst es ja ganz schön eilig zu haben, Genosse Corbucci», sagte der Erste und trat vor, um den Zweiten durchzulassen. Ich kannte sie beide gut, auch wenn ich ihnen seit damals, als wir uns regelmäßig bei jeder Plakat- oder Flugblattaktion heftig geprügelt hatten, nicht mehr begegnet war. Der Erste, Stefano, hatte vorzeitig eine Boxerkarriere abbrechen müssen, weil er systematisch seine Deckung runtergelassen hatte, bevor er wie ein Stier auf seinen Gegner losging. Geblieben waren ihm davon ein zerknautschter Boxerzinken und Augenbrauenbögen, zerfurchter als ein Kilo Walnüsse. Der Zweite hörte auf den Spitznamen Delorto, weil er ebenso giftig und leicht entflammbar war wie der Vergaser desselben Namens. Er hatte in einer berühmten Bande Halbstarker aus Cagnes-sur-Mer begonnen, bevor er sich von den Nazis rekrutieren ließ.
«Setzt euch ruhig, wo ihr wollt, Jungs», sagte ich und griff mir den Hocker.
«Ein echter Schweinestall», bemerkte Stefano, das Gesicht zu einer Grimasse verzogen, bevor er mein letztes Möbelstück mit seinem Ochsenziemer zertrümmerte. Mein Gehirn erstarrte vor Angst wie Ei in Aspik.
«Tut mir leid... Wenn ich gewusst hätte, dass ich Besuch von einem Eber-Paar erwarte, hätte ich noch Stallmist hinzugefügt», sagte ich, nur um die Sache so schnell wie möglich hinter mich zu bringen.

Ich habe die Augen im Paradies wieder aufgeschlagen, dem echten, dem von meiner Mutter. Letztendlich hatte sie Recht. Ich schwebte im Weltraum, halb versunken in einer dicken weißen Wolke und ohne das geringste Körperbewusstsein. Später habe ich gemerkt, dass meine beiden Hachsen durch Gewichte gestreckt in einer Aufhängung schwebten und ich überall Schläuche und genug Velpeau-Verbände trug, um eine Gewitterwolke damit zu umwickeln.
Viel später habe ich von einem Arzt erfahren, dass ich mich in der Notaufnahme im Saint-Roch befand, und dass ich bestimmt sechs Monate brauchen würde, bevor ich mich wieder ganz erholt hätte. «Seien Sie den Typen, die Ihnen das angetan haben, nicht allzu böse», fügte er hinzu. «Sie haben wirklich aufgepasst, nichts Wichtiges kaputt zu machen.»

 

 



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