Das Tamtam der Angst

Slocombe, Romain

 

 

«KrimiZeit-Bestenliste März 2011 (Platz 6):
Paris/Lille: Fridelance muss es bringen. Die nörgelnde Fau will Geld. Mit der Illustration von Gruselschinken nicht zu schaffen. Auch der Versuch, einen seltenen Hocker zu versteigern, endet zwischen den Stühlen. Fridelance in der Klemme. Die Tamtams! Das Grauen! Bös, schnell, witzig: 100 Seiten und ein Knall.»

arte

  

«Ambroise Fridelance ist ein Verlierer vor dem Herrn. Von seinem Verleger wird der Endvierziger, der Cover von Horror- und Vampirromanen zeichnet, schamlos ausgenutzt. Seine Frau tyrannisiert ihn bis aufs Blut. Sein Alltag ist ein Desaster, sein Leben ein einziges Abseits. Und als wäre das alles nicht genug, steht er am Fuße eines Berges unbezahler Rechnungen kurz vor der Pleite.
Gut also, dass Fridelance eines Tages herausfindet, dass ein Hocker, den seine Familie aus Mali, wo er aufwuchs mitbrachte, mindestens 100000 Euro wert ist. Das Möbelstück stammt von einem berühmten Designer, es ist weltweit das einzig erhaltene Exemplar. Weniger gut, dass der Händler, der den Verkauf über die Bühne bringen soll, Ambroise zusammen mit einer alten Kommilitonin des Zeichners schamlos betrügt. Der Zeichner ist am Ende seines Lateins, er steht kurz vor dem Explodieren, als er das Manuskript eines jungen afrikanischen Einwanderers illustrieren soll. Ein Manuskript, das echte Voudou- und Marabout-Rezepturen vom Onkel des Afrikaners enthält. Und damit beginnt für alle, die Ambroixe Fridelance verarscht hatten, der Ärger ihres Lebens...
Wie der Zeichner, Fotograf und Schriftsteller Romain Slocombe, geboren 1953, diese Geschichte erzählt, das ist schon sehr genial: Einerseits verfolgt er die Ermittlungen eines Kommissars Koster, der den merkwürdigen Ereignissen nachspürt; andererseits switcht er auf elegante Weise immer wieder zurück unmittelbar zu diesen Geschehnissen; tatsächlich verbinden sich die Ebenen irgendwann, so dass die Rahmenhandlung zum Teil des Ganzen wird.
So kreativ mit den Erzähltechniken umzugehen und dadurch schon strukturell für Erstaunen und Überraschung zu sorgen, das ist typisch für den französischen Noir, den Romains Slocombes Geschichte hervorragend repräsentiert, weil sie auch sonst alle Ingredienzen birgt, die ein klasse Krimi aus Frankreich haben muss: Viel Inhalt auf knappem Raum, zwingende gesellschaftliche Bezüge, Ironie und Witz, scharf konturierte Charaktere, Intelligenz und Tempo. "Das Tamtam der Angst" ist ein Ereignis. Klein, aber fein - und mit garantiertem Lesevergnügen.»

Ulrich Noller, Buchtipp, WDR 



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