Zoff in der Rue des Rosiers

Malet, Léo

 

 

«Im Stadtplan lauert der Tod: Der Privatdetektiv Nestor Burma und die Geheimnisse von Paris:
Er ist wieder da. In handlichen schwarzen Hardcover-Ausgaben [...] legt der Heilbronner Distel-Verlag die Reihe um den Pariser Privatdetektiv Nestor Burma neu auf. In den 1950er Jahren erstmals erschienen, haben die Romane von Léo Malet (1909-1996) nichts von ihrem ironischen Klang, ihrem Spielwitz und eigenwilligen Spannungsaufbau verloren. Der Anarchist Malet kannte seine Pappenheimer Hammett, Chandler, Cain und die anderen so gut, dass er deren Art, städtische Gesellschaftsschichten abzubilden, mit Links kopieren konnte, ohne sich auf französischem Boden mit pseudoamerikanischer Coolness lächerlich zu machen. Vom ersten Nestor-Burma-Roman an schrieb Malet unverwechselbar, und die Übersetzungen von Katarina Grän bestätigen seinen literarischen Rang bis heute aufs schönste. [...]
[Man sieht] Philip Marlowe über den Ozean winken, und Sam Spade dreht sich zustimmend eine Zigarette, während Nestor Burma seine Stierkopf-Pfeife anzündet, um ein paar klare Gedanken zu fassen. So wenig Léo Malet die Hardboiled-Attitüden der Helden seiner Kollegen einfach nur kopiert, so wenig folgt sein Ich-Erzähler Nestor Burma den festgelegten Wegen realer Stadtpläne. Zwar existieren die Stadtteile, in denen er unterwegs ist, auch bestimmte Straßen, Gebäude, Plätze und Parks könnte ein wachsamer Spaziergänger in Paris aufspüren, oft allerdings nicht genau so, wie sie im Buche stehen. Denn Malet war ein charmanter Trickser, ein Spieler im Spiel des Genres, der sich selbst ungeniert und launig in seinen Romanen als realer Dichter und Chansonnier in Erinnerung rief. Mit Nestor Burma Verbrechen aufzuklären, bereitet pures Vergnügen. Mögen die Methoden des Detektivs gelegentlich etwas altmodisch anmuten, die anarchische Grandezza seiner Auftritte bleibt davon unberührt.»

Friedrich Ani, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

 

«Nestor Burma enthüllt Pariser Geheimnisse: Léo Malet (1909–1996) kannte das Stadt- und das Berufsleben. Er war Clochard und Chansonier, Filmstatist und Journalist, Ghostwriter und Herausgeber. Nur eines war er selten: zufrieden. Seinem großen Schaffensdrang ist es geschuldet, dass er sich drei Jahrzehnte lang an einer einzigen Romanreihe abarbeitete: den Krimis um den Pariser Privatschnüffler Nestor Burma. 1942 erschien der Auftakt der Serie unter dem Titel «120, Rue de la Gare». Gemeinsam mit den folgenden 14 Büchern wurde daraus der faszinierende Zyklus «Die neuen Geheimnisse von Paris» – eine Anspielung auf «Die Geheimnisse von Paris», ein wuchtiges Prosa-Melodram, mit dem Eugène Sue in den Vierzigern des 19. Jahrhunderts zum Star avancierte. Auch sonst setzt der vom Surrealismus beeinflusste Malet alles daran, sich an berühmten Vorbildern abzuarbeiten. Zumal an den Hard-Boiled-Krimis von Raymond Chandler, dessen maulfaules Raubein Philipp Marlowe der launige Nestor Burma virtuos persifliert. Neben ihrem schwarzen Humor überzeugt die Reihe durch genaue Stadtkenntnis: Monsieur Malet hat seine 15 Bücher topografisch so arrangiert, dass jedes von ihnen in einem anderen Pariser Arrondissement spielt. So sind ihm nicht nur kluge Krimis, sondern zudem süffige Stadtporträts und Sittengemälde gelungen. Es ehrt den Heilbronner DistelLiteraturVerlag, dass er die Abenteuer Nestor Burmas jetzt in seiner Reihe «Série Noire» neu auflegt [...] in zeitgemäßer Übersetzung von Katarina Grän und mit dem unverzichtbaren Pariser Stadtplan.»

Hendrik Werner, DIE WELT

 

«Zum Schluß noch ein Hinweis. Nämlich auf einen weiteren Versuch - nach mehreren bisherigen - den französischen Schriftsteller Léo Malet in Deutschland bekannt zu machen. Der DistelLiteraturVerlag in Heilbronn ist der Tapfere. [...] Und ich kann das nur unterstützen, denn Léo Malet, der in den 40ern und 50ern seine Pariser Kriminalromane geschrieben hat, gehört zur originellen Fraktion der Krimi-Autoren und die sind selten. Er sei die französische Antwort auf die amerikanische hard-boiled Krimis und sein Detektiv Nestor Burma der legitime Nachfahre Philip Marlowes, heißt es. Schon richtig, aber Nestor Burma ist weder so trocken-sarkastisch wie Marlowe noch so moralisch wie der. Er ist eher ein Spieler, der mit allem rechnet. Und schon die Namen: Philip Marlowe, das können Sie auch mit zusammengebissenen Zähnen aussprechen, aber Nestor Burma. Darauf muss man erst mal kommen. Das Besondere an dieser ganzen Burma-Reihe ist, dass die einzelnen Romane in jeweils einem Pariser Arrondissement spielen und dessen speziellem Milieu. Also in seinen Büchern eine Art kriminelle Topografie von Paris entsteht. Sinnvollerweise enthalten die übrigens wunderschön gemachten Bände die Karte des entsprechenden Stadtteils und andere lokale Hinweise.»

Uwe Kossack, SWR2, in: Forum Buch, Buchtipp

 

 



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